Vergleiche

Markengeräte versus No Name – Wieso aus günstig schnell ungünstig wird

Geldscheine auf dem Boden

Kosten sparen, wo es geht. Daran ist gerade in Sachen Heimautomation nichts verwerflich. Günstige Smart Home Produkte bieten ebenso App-Steuerung, Zeitpläne und Verbrauchsanalysen, wie die hoch beworbenen Markengeräte.

Die tink Smart Home Experten haben daher genauer hingeschaut. Im neuen Testbericht stellen sie Markengeräte und No-Name-Produkte im Direktvergleich gegenüber. Getestet wurde in drei Kategorien: Licht, Heizung und Smart Plugs. Das Licht steuern die Experten mit Philips Hue White & Color und einer WLAN-fähigen No-Name-Glühbirne. Für die smarten Heizkörperthermostate springt tado° und ein kostengünstiges Bluetooth-Thermostat ins Rennen. Zum Schluss ringen Eve Energy und eine WLAN-Steckdose um den Platz an der Buchse.

Kommt dabei unfaires Spiel auf? Nein. Jedes günstige Smart Home Produkt besitzt eine kostenfreie App. Manche der No-Name-Produkte unterstützen sogar Google Home, Amazon Alexa und IFTTT. Ob das ausreicht, um der Qualität von Markengeräten gerecht zu werden und wieso sich gerade No-Name-Apps als Achillesverse entpuppen? Das erfährst Du im Video: Smart Home Vergleich – Marken versus No-Name-Produkte.

 

Philips Hue versus Jinvoo Glühbirne

Jinvoo Philips Hue White & Color
Sockel E27 E27
App Jinvoo Philips Hue
Steuerung WLAN Zigbee, WLAN
Lichtstrom 600 Lumen 806 Lumen
Farbtemperatur min. 2700 Kelvin 2200 Kelvin
Farbtemperatur max. 6000 Kelvin 6500 Kelvin
Amazon Alexa
Google Home
Apple HomeKit
IFTTT
Steuerung von unterwegs
Lichtszenen
Zeitpläne
Urlaubsmodus

Im Direktvergleich der beiden Farblampen fallen zwei Dinge sofort auf. Die Philips Hue White & Color geht schon in den technischen Details klar in Führung. Der Lichtstrom, ein Indiz für die maximale Helligkeit, strahlt mit 806 Lumen deutlich leistungsfähiger. Auch die Farbtemperatur, verantwortlich für warmweißes bis kühlweißes Licht, ist bei Philips Hue wesentlich ausdifferenzierter. Das macht sich im Video deutlich bemerkbar.

Während die Philips Hue Lampe gekonnt Weißlicht abliefert, fallen die Weißtöne bei No-Name deutlich künstlicher aus. Auch bei der Farbdarstellung stößt die WLAN-Lampe an ihre Grenzen. Den Mischfarben des Jinvoo Produkts siehst Du deutlich an, dass sie – nun ja – an der Unterseite gemischt werden. Man erkennt dazu im Video hervorragend die roten, blauen, grünen und gelben LEDs.

 

tado° versus Eqiva

Eqiva tado°
Steuerung Bluetooth Funk, WLAN
App calor BT tado°
Max. Anzahl Räume 10 25
Max. Anzahl Thermostate 50 224
App Steuerung
Zeitpläne
Einbezug Wettervorhersage
Einbezug Gebäudeeigenschaften
Kalkschutz-Funktion
Frostschutz-Funktion
Amazon Alexa
Google Home
Apple HomeKit
IFTTT

Zugegeben, der Vergleich ist hier in einer entscheidenden Stelle unausgeglichen. Das Eqiva Heizkörperthermostat lässt sich nämlich nur in einer Reichweite von zehn Metern per App steuern. Dafür punktet es bei den Anschaffungskosten. Außerdem enthält es sehr differenzierte Heizzeitpläne, die langfristig Energie sparen. Das wünscht man sich von einem guten Smart Home Heizkörperthermostat.

An anderer Stelle werden allerdings nützliche Zusatzfunktionen vermisst. Zum Beispiel die Steuerung von unterwegs, die Sprachsteuerung über Google Home und eine weniger abstrakte Bedienoberfläche. tado° leistet diese Zusatzfunktionen.

 

Eve Energy versus WLAN Steckdose

No Name Eve Energy
Steuerung WLAN Bluetooth, WLAN
App ? Eve
Leistung max. 2200 Watt 2500 Watt
App Steuerung
Zeitpläne
Amazon Alexa
Google Home
IFTTT
Apple HomeKit

Grundsätzlich leisten beide smarten Steckdosen das was sie versprechen. Du steuerst sie von unterwegs, integrierst sie in Zeitpläne und kommst auf eine ausreichend hohe Leistung. Auch für größere Elektrogeräte. Bei der App Anbindung der WLAN Steckdose kam allerdings etwas Rätselraten auf. Die in der Bedienungsanleitung angegebene App Simple Life war nirgends zu finden. Im Kleingedruckten wurde noch ein zweiter Name aufgeführt – Smart Live. Darüber klappte die Anbindung dann doch und die smarte Steuerung konnte starten.

 

Die No-Name-App als Achillesverse

Erst Verwirrung bei der App-Installation, dann bei der Einbindung in Google Home. Die WLAN-Steckdose sollte zeigen, wie gut sie sich mit dem Google Assistant versteht. Das klappte am Ende sogar. Doch nicht über die Smart Live App der WLAN-Steckdose, sondern über die Jinvoo App der WLAN Glühbirne. Darauf muss man erst einmal kommen.

Zum Glück fiel den tink Experten sofort auf, dass die Jinvoo App und die Smart Live App praktisch die gleiche Bedienoberfläche besitzen. Noch dazu musste man die WLAN-Glühbirne, die eigentlich mit Jinvoo gesteuert wird, bei Google Home über die Smart Live App einbinden. Komische Schnittstellen tun sich da auf.

Weiße Schriftrolle

Das muss aber wohl so sein. Denn obwohl Steckdose und Glühbirne von komplett verschiedenen Vertreibern stammen, nutzen sie beide White Label Services. Unter White Label versteht man Hard- und Software, welche ohne Logo vertrieben werden. Das ist ähnlich wie im Textildruckgeschäft. Käufer können die White Label Geräte dann mit ihrer eigenen Marke versehen und weiterverkaufen. Die Hardware erzielt dadurch relativ gute Ergebnisse. Zum Beispiel ist die Farbdarstellung der Glühbirne nicht perfekt. Dennoch liefert sie für den kleinen Geldbeutel relativ zufriedenstellende Ergebnisse.

Bei den White Label Apps wird es demgegenüber trickreicher. Sie funktionieren nach dem Baukastenprinzip und schaffen dem Endverkäufer einen großen Vorteil. Er hat keine Entwicklungskosten. Er stellst sich die gewünschten App-Funktionen einfach beim White Label Anbieter zusammen. Der White Label Anbieter konzentriert sich demgegenüber ausschließlich auf die Entwicklung neuer Funktionen und Schnittstellen.

An diesem Vorgehen ist natürlich nichts falsch. Die White Label Produkte und Apps weisen ja eine ausreichende Qualität auf. Für Dich als Kunden hat dieses Prinzip aber einen entscheidenden Nachteil. Der Anbieter der No Name Ware bedient sich einem Baukasten. Die Markenprodukte von Philips Hue, tado° und Co. setzen demgegenüber eigene Entwickler ein. Sie gestalten die App einem Bildhauer gleich nach den eigenen, und Kundenwünschen.

Die No Name App hingegen gleicht eher Lego-Steinen. Sie kann eine individualisierte App nachempfinden, aber trifft nicht ganz die Nuancen. Außerdem haben die Verkäufer selbst als Kunden des White Label Anbieters kaum Einfluss auf neue Funktionen für die Geräte.

 

Fazit – Vergleich Marke und No Name

Auch wenn die Qualität der No-Name-Produkte deutlich hinter der von tado°, Philips Hue und Eve hinterherhinkt. Schlecht sind sie deshalb nicht. Sie bieten die nötigen Grundfunktionen und arbeiten in ihrem eigenen Smart Home Ökosystem zuverlässig. Auf der anderen Seite vermisst man bei ihnen jedoch einige Zusatzfunktionen, die das Wohnen angenehmer gestalten. Zum Ausprobieren kann es sich lohnen auf No-Name zu setzen. Aber die Kostenersparnis kehrt sich schnell ins Gegenteilige, wenn Du Dich später doch für ein Markensystem entscheidest, welches kontinuierlich an der Nutzerfreundlichkeit ihrer Software arbeitet.

Kleines Beispiel gefällig? Schau Dir doch mal an, was Philips Hue mittlerweile in Deinem Wohnzimmer so alles anstellen kann: