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Smart-TV Datenschutz: Warum Dein Fernseher auch im Standby mithört

Forscher enttarnen ein heimliches Datensammel-Programm auf LG-Fernsehern – aktiv selbst mit ausgeschaltetem Bildschirm. Was das für Deinen Smart-TV-Datenschutz bedeutet und wie Du gegensteuerst.

Ein Fernseher, der heimlich Dein WLAN-Netzwerk scannt, Dein Smartphone und Deinen smarten Thermostat aufspürt und sogar mithört, während der Bildschirm schwarz ist: Das klingt nach einem schlechten Techno-Thriller. Genau das haben Sicherheitsforscher diese Woche bei LG aufgedeckt. Der Technik-Kanal Gamers Nexus hat gemeinsam mit Sicherheitsexperte Wendell von Level1Techs und mehreren unabhängigen Security-Forschern 135 Minuten lang die neuesten OLED-Modelle von LG unter die Lupe genommen. Beim Thema Smart-TV Datenschutz gibt es demnach einigen Nachholbedarf.

Smart-TV Datenschutz: Was die Forscher genau entdeckt haben

Das Team testete unter anderem ein OLED G5 direkt aus dem Handel und verfolgte mit Netzwerkanalyse-Software genau, welchen Datenverkehr das Gerät nach außen schickte. Dabei zeigte sich: Der Fernseher durchsucht fortlaufend das lokale Netzwerk – Smartphones, Smartwatches, Drucker und andere Geräte werden aufgespürt und protokolliert, inklusive interner Adressen und Gerätenamen. Auch Informationen zu WLAN-Netzwerken in der Umgebung werden gesammelt, wodurch sich theoretisch Dein Wohnort eingrenzen lässt.

Hinzu kommt Automated Content Recognition (ACR): eine Technologie, die buchstäblich mitliest, was auf Deinem Bildschirm passiert, und daraus eine Art digitalen Fingerabdruck erstellt, der an Server von LGs Werbesparte LG Ad Solutions geht – in Zusammenarbeit mit Partner Alphonso Inc. LG Ad Solutions gibt an, weltweit rund 216 Millionen angeschlossene Fernseher zu erreichen und über dieselben Haushalte noch einmal 363 Millionen zusätzliche Geräte. Auffällig: Die Datensammlung bleibt sogar aktiv, wenn Du den Fernseher nur als Bildschirm über ein HDMI-Kabel nutzt – ganz ohne die Smart-TV-Funktionen jemals anzurühren.

Auch ausgeschaltet bleibt der Fernseher aktiv

Der beunruhigendste Teil der Untersuchung betrifft das Mikrofon. Laut den Forschern kann der Fernseher Gespräche im Raum registrieren, selbst wenn der Bildschirm scheinbar aus ist. Diese Aufnahmen werden dann lokal gespeichert und erst verschickt, sobald die Internetverbindung wieder aktiv ist. Einfach den WLAN-Stecker zu ziehen, löst das Problem also nur teilweise: Sobald Du Dich wieder verbindest, gehen die gespeicherten Daten trotzdem raus. Zudem zeigen die Forscher konkrete Szenarien, in denen Angreifer Schwachstellen in der Software ausnutzen könnten, um Audio abzufangen oder den Fernseher als Umschlagplatz für anderen Netzwerkverkehr zu missbrauchen.

Nicht der erste Fall, in dem ein Smart-TV daneben liegt

Das ist kein Einzelfall. Erst einen Monat zuvor mussten sowohl Samsung als auch LG eingreifen, nachdem das norwegische Sicherheitsunternehmen Mnemonic entdeckte, dass bestimmte Apps in ihren Smart-TV-Stores heimlich als sogenannter Residential Proxy funktionierten: Software, die den Internetverkehr wildfremder Menschen über Deine eigene WLAN-Verbindung leitet, ohne dass Du etwas davon merkst. Eine der betroffenen Apps war sogar ein ganz gewöhnliches Pac-Man-Spiel, das Samsung aktiv im eigenen App-Store bewarb. Auch beim Samsung Smart-TV Datenschutz gab es also zuletzt einiges zu tun. Beide Hersteller kündigten daraufhin ein Verbot solcher Codes an. Das Muster ist klar: Je mehr Funktionen und Verbindungen ein Fernseher bekommt, desto größer wird das Spielfeld für solche Praktiken.

Warum lokale Verarbeitung in Deinem ganzen Zuhause zählt

Genau deshalb setzen immer mehr Smart-Home-Fans bewusst auf Geräte, die möglichst lokal arbeiten, statt für jeden Befehl erst einen Umweg über einen Server am anderen Ende der Welt zu nehmen. Bei Protokollen wie Zigbee und Matter kommunizieren Geräte direkt mit Deinem eigenen Hub, ohne dass jede Lampe oder jeder Sensor zuerst Deinen Cloud-Anbieter kontaktieren muss. Das bedeutet weniger Angriffsfläche für Datenlecks, keine Abhängigkeit von einem Server, der morgen offline sein könnte, und schlicht mehr Kontrolle darüber, was mit Deinen Daten passiert. Wie groß dieser Unterschied in der Praxis ausfällt, haben wir bereits in unserem Vergleich zu Smart-Home-Systemen und Ökosystemen beschrieben – und in unserem Artikel zu Sicherheit und Datenschutz im Smart Home.

Ein Fernseher ist in dieser Hinsicht ein Sonderfall. Während Lampen, Schlösser und Sensoren immer häufiger lokal und ganz ohne Cloud funktionieren, bleibt der Bildschirm im Wohnzimmer oft das Gerät mit der geringsten Transparenz – und den meisten eingebauten Anreizen, gerade dort alles zu sammeln. Werbeeinnahmen sind für viele TV-Hersteller inzwischen ein ernstzunehmendes zweites Standbein neben dem Verkauf des Geräts selbst.

So behältst Du selbst die Kontrolle

  1. Nutze Deinen Fernseher rein als Bildschirm. Schließe einen externen Streaming-Player per HDMI an, etwa einen Chromecast aus unserer Streaming-Kategorie, und lass den die eigentliche Arbeit übernehmen. Ein solches Gerät kannst Du selbst zurücksetzen, trennen oder austauschen – anders als die eingebaute Software Deines Fernsehers.
  2. Prüfe Deine Smart-TV-Datenschutzeinstellungen. Suche im Menü Deines Fernsehers nach Optionen wie „Live Plus“ oder „personalisierte Empfehlungen“ und schalte ACR dort gezielt aus.
  3. Isoliere Deinen Fernseher im Netzwerk. Packe ihn in ein separates Gastnetzwerk, getrennt von Deinen Smartphones und der übrigen Smart-Home-Technik, damit ein scannender Fernseher nicht gleich Deinen ganzen Haushalt kartiert.
  4. Blockiere das Mikrofon physisch, falls Dein Fernseher dafür einen echten Schalter hat, oder schalte die Sprachsteuerung komplett aus, wenn Du sie ohnehin nicht nutzt.
  5. Setze auch beim Rest Deines Smart Homes bewusst auf lokale Lösungen: Je mehr Geräte direkt mit Deinem eigenen Hub statt mit einem Cloud-Server sprechen, desto kleiner die Gefahr, dass ein schwaches Gerät Dein gesamtes Netzwerk offenlegt.

Das ist kein Grund, gleich Dein ganzes Wohnzimmer über Bord zu werfen – aber ein guter Anlass, einmal darüber nachzudenken, was bei Dir zu Hause überall mithört. Ein Fernseher muss nicht das Gehirn Deines Smart Homes sein. Das überlässt Du besser Geräten, die Du wirklich selbst in der Hand hast.

Willst Du wissen, wie Du den Rest Deines Zuhauses wirklich lokal und sicher einrichtest? Wirf einen Blick auf unsere Übersicht zu Smart-Home-Funkstandards und bau mit einem guten Gefühl weiter an Deinem smarten Zuhause.

Joshua
Joshua
Joshua verstärkt das tink-Team seit Juli 2025. Er verbindet jahrelange Schreiberfahrung mit einer großen Leidenschaft für technologische Innovationen. Privat nutzt er begeistert Govee für stimmungsvolle Beleuchtung, und auch die smarten Lautsprecher von JBL haben einen festen Platz bei ihm. Er ist immer auf der Suche nach dem nächsten Upgrade für sein Smart Home und experimentiert derzeit ausgiebig mit Philips Hue und Soundcore.

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