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EWE Go Urteil: Ladekarten dürfen nicht pauschal teurer sein

Wer mit einer Ladekarte an der Schnellladesäule steht, zahlt mitunter deutlich mehr als Kunden des Betreibers selbst. Ein Münchner Urteil zeigt jetzt, wo die rechtliche Grenze dafür verläuft.

Das EWE Go Urteil vom 6. Oktober 2026 dreht sich um eine Frage, die jeden betrifft, der unterwegs mit Ladekarte oder Lade-App lädt: Warum kostet dieselbe Kilowattstunde an derselben Säule nicht für alle gleich viel? Das Landgericht München I hat dem Betreiber EWE Go untersagt, Anbietern wie Digital Charging Solutions (DCS), dem Unternehmen hinter Charge Now, an seinen Schnellladepunkten ohne Grund höhere Preise zu berechnen als den eigenen Vertragskunden. Der Fall zeigt, wie die europäische AFIR-Verordnung im Alltag greift, und er macht sichtbar, wo Du Deinen Ladepreis wirklich selbst in der Hand hast.

Das EWE Go Urteil im Überblick

Hinter einer Ladekarte steckt ein Zwischenhändler. Der Anbieter kauft den Strom an der Säule eines fremden Betreibers ein und verkauft ihn Dir mit eigenem Aufschlag weiter. In der Branche heißt der Betreiber Charge Point Operator, der Kartenanbieter Mobility Service Provider, kurz eMSP. Das funktioniert wie ein Hotel mit Buchungsportal: Der Gast an der Rezeption zahlt den Hauspreis, der Portalkunde zahlt, was das Hotel dem Portal berechnet. Im Münchner Fall war dieser Abstand laut Urteil erheblich.

Preisabstand und Blockiergebühr

An den HPC-Ladepunkten von EWE Go, also den Schnellladern mit hoher Ladeleistung, lag der Preis für Roaming-Anbieter rund 60 Prozent über dem Tarif der eigenen Vertragskunden. Dazu kam eine Blockiergebühr, die nur Drittanbieter zahlen mussten, Endkunden dagegen nicht. EWE Go verwies auf Verwaltungsaufwand, Kundenservice und Treueanreize. Diese Begründungen hat das Gericht laut Berichten nicht gelten lassen.

Was das Gericht angeordnet hat

Betreiber dürfen weder zwischen Endkunden und Roaming-Anbietern noch zwischen verschiedenen Roaming-Anbietern diskriminieren. Das gilt auch dann, wenn sie eigene Endkundentarife anbieten. Unterschiedliche Preise bleiben nur erlaubt, wenn sie verhältnismäßig und sachlich begründet sind. EWE Go muss das Vorgehen unterlassen, Auskunft über die Abrechnung seit dem 13. April 2024 geben und Schadensersatz leisten, dessen Höhe noch nicht feststeht. Nach Angaben von DCS ist es die erste gerichtliche Entscheidung zu Preisdiskriminierung nach der AFIR.

Was die AFIR mit Deiner Ladekarte zu tun hat

AFIR steht für Alternative Fuels Infrastructure Regulation, eine EU-Verordnung, die seit dem 13. April 2024 in allen Mitgliedstaaten gilt. Nach ihr müssen die Preise an öffentlichen Ladepunkten angemessen, einfach vergleichbar, transparent und nichtdiskriminierend sein. An neuen Ladepunkten muss außerdem spontanes Laden mit gängigen Zahlungsmitteln möglich sein, ohne Vertrag. An Schnellladern soll der Preis vor dem Start sichtbar sein und sich im Kern am Preis pro Kilowattstunde orientieren, Minutenentgelte sind nur als Ergänzung gegen Dauerparker vorgesehen. Der Münchner Fall zeigt, dass diese Regeln auch im Geschäft zwischen Betreibern und Kartenanbietern gelten, also dort, wo Du als Fahrer sie nie zu sehen bekommst.

Was sich an der Ladesäule jetzt ändert

Kurzfristig nichts. Das EWE Go Urteil ist nicht rechtskräftig, EWE Go prüft die Begründung und entscheidet über eine Berufung. Zudem bindet es nur die beiden Parteien. Gewicht hat es trotzdem: Andere Kartenanbieter können sich auf die Argumentation stützen, und Betreiber müssen ihre Preislisten für Drittanbieter künftig besser begründen können. Sinken die Einkaufspreise der Kartenanbieter tatsächlich, entscheiden diese selbst, wie viel davon bei Dir ankommt.

Bis dahin hilft ein nüchterner Blick auf die Preisanzeige. Der Preis pro Kilowattstunde steht an Schnellladern vor dem Start in der App oder am Display, und so lassen sich Ladekarte, Direkttarif des Betreibers und spontanes Laden direkt vergleichen. Wer immer wieder bei demselben Betreiber lädt, sollte außerdem prüfen, ob ein eigener Vertrag mit ihm günstiger ist als die Karte.

Der Ladepreis, den Du selbst bestimmst

Unabhängig davon, wie der Rechtsstreit ausgeht: Eine Kilowattstunde an der eigenen Wallbox bleibt für die meisten Fahrer die planbarste Preisbasis. Dazu kommt eine Routine, die das Laden von selbst erledigt. Das Auto steht abends in der Einfahrt, die Wallbox erfährt per Lastmanagement, wie viel Strom das Haus gerade braucht, und gibt dem Auto nur den Rest. Mit PV-Anlage startet das Laden, sobald das Dach mehr liefert, als im Haushalt gebraucht wird. Ein Lastmanagement arbeitet dabei wie ein Türsteher am Hausanschluss: Es lässt nur so viele Gäste hinein, wie der Raum verträgt.

Wie sich das Laden mit Strompreis und Netz verbinden lässt, steht im Artikel zum intelligenten Laden beim Elektroauto. Welche Geräte Solarstrom direkt verbrauchen, zeigt der Überblick zum PV-Eigenverbrauch ohne Batterie.

Wallboxen für den Einstieg bis zum Solar-Setup

Die Wallbox V1 von Anker SOLIX ist die preiswerte Einstiegsvariante mit 11 kW und festem Ladekabel. Die Gemini 11 kW von go-e bringt WLAN und App mit, über die sich der Ladestrom einstellen und jeder Ladevorgang nachvollziehen lässt. Die Connect.Solar von Heidelberg ergänzt PV-Überschussladen mit Phasenumschaltung, und ein optionales PowerMeter erweitert sie um die Verbrauchsmessung im Haus.

Anker SOLIX Wallbox V1 - Ladegerät für E-Autos als Kabel-Version - 11kW - Schwarz
Unverb. Preisempf.: € 629,00 Du sparst: € 130,00 (-21%)  Preis: € 499,00 ZUM PRODUKT
Heidelberg Wallbox Connect.Solar 11kW Typ 2 Ladekabel 5m - Schwarz
Unverb. Preisempf.: € 1.174,99 Du sparst: € 155,04 (-13%)  Preis: € 1.019,95 ZUM PRODUKT

Lastmanagement und mobiles Laden

Der go-e Controller regelt als dynamischer Lastcontroller die Ladeleistung passend zum restlichen Verbrauch im Haus. Wer an wechselnden Orten lädt, etwa bei der Familie oder am Ferienhaus, findet in der go-e Gemini flex eine mobile Wallbox mit Typ-2-Steckdose, die mit Dir umzieht.

Was jetzt noch offen ist

Offen sind die Berufung, die Höhe des Schadensersatzes und die Reaktion der übrigen Betreiber. Je nachdem, wie es weitergeht, wird das Urteil zum Muster für weitere Klagen oder bleibt ein Einzelfall. Für Dich gilt bis dahin eine einfache Faustregel: Preis vor dem Laden prüfen, Tarife vergleichen und dort, wo es geht, zu Hause laden.

Wer sich unabhängiger von Säulenpreisen machen will, findet bei tink die passende Ausstattung. Im Überblick der Wallboxen stehen Modelle von Anker SOLIX, go-e und Heidelberg, vom schlichten Einstieg bis zur Lösung mit PV-Überschussladen.

Thomas
Thomas
Thomas arbeitet bereits seit einigen Jahren bei tink, hat aber kürzlich auch den Schritt zum Blog gewagt, um seine Erfahrungen aus der Praxis zu teilen. Als echter Gadget-Freak erklärt er die modernsten Smart-Home-Lösungen auf leicht verständliche Weise. Sein gesamtes Haus basiert auf einem Apple Home-Ökosystem, und er automatisiert seine Abläufe gerne mit den intelligenten Sensoren von Eve. Derzeit testet er ausgiebig das neueste Multiroom-Audiosystem von Sonos und testet, wie intelligente Türschlösser von Nuki seinen Alltag erleichtern.

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